Wirtschaftsförderung
Eine hohe Wirtschaftskraft in unserem Kreis entscheidet über unseren Wohlstand, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen und damit über die finanziellen Spielräume der Kommunalpolitik. Daher setzen wir auf eine Wirtschaftspolitik, die konsequent
Unternehmertum stärkt und es den Menschen einfacher macht, wirtschaftlich tätig zu werden. Denn: Unser aller Wohlstand wird durch die vielen fleißigen Bürgerinnen und Bürger geschaffen, die in eigener Initiative unternehmerisch tätig werden und täglich ihrer Arbeit nachgehen.
Verlässliche Rahmenbedingungen, die Unternehmertum ermöglichen
Groß-Gerau braucht Rahmenbedingungen, die Unternehmertum in Industrie, Handwerk, Innovation und Gewerbe ermöglichen, anstatt zu erschweren. Dazu zählen wir eine intakte Verkehrsinfrastruktur, schnelles Internet, niedrige kommunale Steuern und Abgaben sowie keine unnötigen bürokratischen Hürden.
Mittelstand und Handwerk tragen den Hauptanteil an der Beschäftigung und der Ausbildung von jungen Menschen. Daher setzen wir auf eine Wirtschaftspolitik, die mittelständische Strukturen bewusst pflegt und fördert. In Verkehrs- und Infrastrukturplanung berücksichtigen wir stets die Anforderungen unserer Handwerker und Unternehmer mit.
Weiterhin bekennen wir uns zu unserer industriellen Basis und stärken Industriestrukturen im Kreis Groß-Gerau. Denn die Industrie ist das Rückgrat unseres Wohlstands und sorgt für gut bezahlte Arbeitsplätze. Wir setzen uns für die Weiterentwicklung des Automobilstandorts Rüsselsheim ein und unterstützen gezielt den Aufbau neuer industrieller
Cluster, z.B. in den Zukunftsbereichen Wasserstoff, KI und autonome Mobilität. Auch die Ansiedlung von Rechenzentren begleiten wir konstruktiv und mit dem Willen zu verträglichen Lösungen, denn die Wirtschaft der Zukunft im Rhein-Main-Gebiet braucht die nötige Rechenkapazität.
Wirtschaftsförderung muss Chefsache sein
Eine professionelle Wirtschaftsförderung und vorausschauende Ansiedlungspolitik ist unser Ziel. Dazu braucht es klare Zuständigkeiten und schnelle und digitale Bearbeitungsprozesse anstelle eines Behördendschungels, schnelle Genehmigungsverfahren und ein gestrafftes und eigenständiges Standortmarketing im Verbund mit den Kommunen in der Metropolregion Rhein-Main. Ziel muss ein Behördenlotse sein, der als direkter Ansprechpartner für alle Angelegenheiten von Unternehmen fungiert und auch Hilfestellung bei Anliegen im Zuständigkeitsbereich anderer Behörden gibt. Neue Unternehmen müssen im Kreis eine Willkommenskultur erleben. Letztlich muss es unter der Leitung des Landrats zu Ansiedlungskonferenzen mit allen beteiligen Behörden kommen (Clearingverfahren).
Vorausschauende Gewerbeflächenvermarktung
Das Gewerbeflächenmonitoring sollte zu einem aktuellen Gewerbeflächenkataster im Internet weiterentwickelt werden. Gezielte Werbemaßnahmen können auf die besonderen Vorzüge des Kreises (Verkehrsanbindung, Nähe zum Drehkreuz Flughafen Frankfurt, zentrale Lage im Rhein-Main-Gebiet und Ausbildungsmöglichkeiten insbesondere im technischen
Bereich) hinweisen. Durch eine planvolle Vergabe können so neue Wirtschaftscluster entwickelt und gestärkt werden. Dieses Register sollte für Ansiedlungswillige erweitert und ausgebaut werden. Ersichtlich sollte sein, welche Flächen real für Ansiedlungen aktuell und jährlich fortgeschrieben zur Verfügung stehen und für welche Gewerbe die Flächen geeignet und nutzbar sind. Auch sollten Hinweise wie Energieverfügbarkeit eingepflegt werden.
Existenzgründungsberatung
Der Kreis Groß-Gerau soll attraktiv für Existenzgründer und junge Unternehmen sein. Daher stehen wir für eine professionelle und vernetzte Gründungsberatung im Kreis Groß-Gerau. Gerade um in Vor-Gründungs-Phasen wirksam zu unterstützen, muss das Angebot für alle Interessierte niederschwellig offen sein. Wir vernetzen die verschiedenen Partner der Existenzgründungsberatung in Verwaltung, TIGZ, VHS und Hochschulen.
Mit dem Technologie-, Innovations- und Gründerzentrum (TIGZ) verfolgt der Kreis das Ziel, einen Inkubator und leicht erreichbaren Ansprechpartner für Gründer bereitzustellen. Wir stehen zum TIGZ, denn nur planbare Strukturen können gute Arbeit leisten. Doch das TIGZ ist kein Selbstzweck, sondern muss sich regelmäßig weiterentwickeln und an seinem Ziel messen lassen, die Gründungsunterstützung zu leisten, um innovative neue Geschäftsmodelle entstehen zu lassen und neue Arbeitsplätze zu generieren. Daher muss das TIGZ professionell weiterentwickelt werden. Dazu kann die Trennung des Vermietungsangebots und des Beratungsangebots dienen. Räumlichkeiten können dezentral und damit außerhalb des TIGZ vermittelt werden. Die Arbeit und der Erfolg des TIGZ muss zudem regelmäßig evaluiert werden.
Fachkräfteallianz ausbauen
Der Mangel an verfügbaren und qualifizierten Fachkräften wird immer wieder als größtes Problem bei der Besetzung von Stellen erkannt. Daher ist die Sicherung und Aktivierung von Fachkräften in der Region essenziell für ansiedlungs- und expansionswillige Unternehmen. Die Zusammenarbeit von Institutionen wie Handwerkskammer, AVM, Jobcenter, DGB oder IHK muss weiter ausgebaut werden und mit weiteren Projekten hinterlegt werden. Hierbei sollten auch die beruflichen Schulen verstärkt einbezogen werden. Der Übergang von Schule in Ausbildung und in den Beruf muss noch praxisnäher durch Schulen und Unternehmen organisiert werden. Die Optimierung der lokalen Vermittlungsarbeit im Übergang Schule-Beruf (OloV) ist ein gutes Instrument, das jedoch dringend mit Fokus auf dem technisch-handwerklichen Bereich nachgebessert werden muss. Die Berufsplanung kann gar nicht früh genug anfangen und braucht gute fachliche Begleitung auch aus der Unternehmenspraxis. Um die Fachkräftelücke zu schließen müssen gezielt qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland gewonnen werden. Dazu gehört eine Willkommenskultur und die Vereinfachung und Beschleunigung von Prozessen in der Ausländerbehörde.
Hochschulkooperation als Wohlstandsfaktor
Unsere Hochschulen sind unsere Wohlstandsschmieden der Zukunft. Wir stärken die Hochschulkooperation und planen die hochschuleigenen Gründungsberatungen in das Gesamtangebot des Kreises zur Gründungsförderung ein. Wir fördern öffentliche Forschungsprojekte mit dem Kreis und den Städten und Gemeinden und unterstützen Unternehmensgründungen aus den Hochschulen heraus. Daneben bietet sich eine Kooperation mit der VHS an, um Kurse zu relevanten Themen anzubieten und andererseits Menschen überhaupt erst mit dem TIGZ und Unternehmensgründungen in Kontakt zu bringen.
Verlässliche öffentliche Vergabepolitik
Die Spielräume bei der Auftragsvergabe durch den Kreis bzw. seine Beteiligungen sind im Sinne der wirtschaftlichen Haushaltsführung und der Stärkung von örtlichem Handwerk und soliden Unternehmen zu nutzen. So sollten Möglichkeiten der Teilvergabe stärker genutzt werden und aufgabenbezogene Ausschreibungskriterien stärker Verwendung finden (insbesondere hinsichtlich der Qualität und der bisherigen Erfahrungen eines Unternehmens). Auch dies lässt die Rechtslage bereits heute zu (‚wirtschaftlichstes Angebot‘ nicht das ‚billigste Angebot‘). Das kommunale Vergabezentrum muss stärker eingebunden werden und eine entsprechende Ausrichtung erhalten. Von der öffentlichen Hand muss man erwarten können, dass fällige Rechnungen fristgerecht bezahlt werden.
