Attraktiver bezahlbarer Nahverkehr

Für die Freien Demokraten ist Mobilität ist ein wichtiger Standortfaktor für alle Teile der Bevölkerung. Hierzu gehört auch ein attraktiver ÖPNV, der insbesondere im Kernnetz stabile Verbindungen im Taktverkehr gewährleistet.
Da der Kreis Groß-Gerau der am stärksten wachsende Landkreis in Hessen ist, muss über einen Ausbau der Infrastruktur dringend nachgedacht und gehandelt werden. Die Kapazitäten sind insbesondere in den Hauptverkehrszeiten am Limit. Die Ertüchtigung der Riedbahn hat hierbei keine praktischen Verbesserungen gebracht, der SPNV wird weiterhin nicht ausreichend bedacht. Ebenfalls sehen wir es kritisch, dass das neue Terminal 3 am Flughafen nicht an den S-Bahn-Verkehr angeschlossen wurde. Zusätzlicher Bedarf an Bus- und Individualverkehr ist damit vorhersehbar.
Ohne einen Ausbau der Infrastruktur (z.B. auch Modernisierung der Stellwerke auf der Mainbahn oder einer Verlängerung der Straßenbahn von Griesheim nach Riedstadt) wird zusätzlicher Verkehr kaum abwickelbar sein, zumal die zahlreichen Baustellen auf den Straßen (demnächst u.a. Abriss Brückenbauwerk B26/Darmstadt) einen stabilen Taktverkehr
auf der Straße kaum zulassen.

Haltestellen mit Mehrwert

Dringend notwendig sind an den zentralen Stationen Informationssysteme (Anzeige von Abfahrtszeiten) für die Fahrgäste. Über neue digitale Angebote wie Cityscreens sollten Informationen zum ÖPNV sowie zu weiteren Angeboten (Car- und Bike-Sharing, Hinweise auf Ladestationen etc.) zur Verfügung gestellt werden. Daneben muss es darum gehen, die Haltestellen attraktiver und vor allem sauberer herzurichten und für eine klare Beschilderung zu sorgen. Auch müssen Haltestellen verstärkt Umsteiger ins Auge nehmen (Rad und Auto in den ÖPNV). Hierzu sind erheblich mehr Abstellmöglichkeiten erforderlich. Die FDP setzt sich für eine Zusammenlegung der Nahverkehrsgesellschaften von Kreis und Stadt Rüsselsheim ein. Damit werden die Zusammenarbeit gestärkt und Doppelstrukturen abgebaut.

ÖPNV muss für Kommunen finanzierbar bleiben

Wie in allen Politikbereichen stellt sich die Frage der Finanzierbarkeit. Mit der Einführung des Deutschlandtickets und anderer Flatrateticketangebote (Schüler, Senioren, Landesbedienstete, Jobtickets), ist die Deckung der Kosten des ÖPNV´s von 58% auf unter 30% gesunken. Dabei wird die entstandene Finanzlücke nur bis 2027 einigermaßen gegenfinanziert. Gleichzeitig sind die Kosten durch hohe Tarifabschlüsse und höhere Energiekosten massiv gestiegen. Ebenso verursacht der Umstieg auf klimafreundliche Antriebe (HVO-100 Diesel und Wasserstoff) gewaltige Mehrkosten. Die Anschaffungskosten für Wasserstoffbusse sind ca. 2-3 mal so hoch wie bei konventionellen Dieselantrieben. So
kostet ein mit Wasserstoff betriebener Gelenkbus inzwischen über einer 3/4 Mio. Euro. Daneben steht das ÖPNV-System auch wegen der veränderten Schülerbeförderungszeiten (Ganztagsschule, …) vor zusätzlichen Herausforderungen.
Dies bedeutet, dass nur eine sehr moderate Angebotserweiterung zusammen mit den Mehrkosten den Zuschussbedarf von Gemeinden und Landkreis von 5 Mio. Euro auf über 15 Mio. Euro wird steigen lassen, unter der Voraussetzung, dass Bund und Land die Finanzierungslücke bei den sinkenden Ticketeinnahmen weiterhin ausgleichen. Zwei Nahverkehrsgesellschaften im Kreisgebiet verursachen ebenfalls unnötige Mehrkosten ohne Mehrwert für den Bürger.

Netzstruktur mit Augenmaß

Vorrang muss ein stabiles und verlässliches Kernnetz sein. Hierzu muss vor allem der S-Bahn-Verkehr mit seinen Knotenpunkten zum Busverkehr eine höhere Pünktlichkeit erreichen. Vor diesem Hintergrund müssen auch Überlegungen zur Straffung des Taktangebots auf wenig genutzten Linienabschnitten zugunsten von stark nachgefragten Stecken angestellt werden. In wenig frequentierten Bereichen des Kreises könnte über Lösungen mit Anrufsammeltaxis nachgedacht werden, in innerstädtischen Verkehren über eine Ausweitung der On-Demand-
Verkehre, statt fester Taktverbindungen. Aufgrund der Erfahrungen in der Vergangenheit befürworten wir die Beschäftigung von eigenen Busfahrern zur Sicherstellung des flächendeckenden ÖPNV-Angebots. Privaten
Bewerbern auf Verkehrsleistungen ist dabei stets der Vorzug zu gewähren. Wünschenswert wäre endlich die Einbindung der S7 an den Frankfurter Stadttunnel. Nur so „rechnet“ sich die S7 für die Region und vermeidet unnötige Umsteigevorgänge im Frankfurter Hauptbahnhof.